Phonologische Bewusstheit 

Die phonologische Bewusstheit stellt eine wichtige Vorläuferfähigkeit für den Schreib-Leselernprozess dar. 

Kinder im letzten Kindergartenjahr sollten über eine gut ausgeprägte "phonologische Bewusstheit im weiteren Sinn" verfügen, d.h. sie können reimen, gleich/verschieden klingende Wörter unterscheiden, Wörter in Sprechsilben zerlegen bzw. silbierend gesprochene Wörter als Einheit erkennen. In vielen Kindergärten wird schon großer Wert auf die Förderung dieser Fähigkeiten gelegt, da sich Kinder im Vorschulalter hier in einer "sensiblen Phase" befinden, in der sie gut davon profitieren.

Um die Schuleintrittsphase herum wird die "phonologische Bewusstheit im engeren Sinn" immer bedeutungsvoller. Sie befähigt die Kinder zu einer guten Lautwahrnehmung und - unterscheidungsfähigkeit. Sie können z.B. angeben, welchen Laut sie am Anfang oder Ende eines Wortes hören, können vorgesprochene Laute (nicht Buchstaben!) zu einem Wort zusammenziehen oder können aus mehreren Wörtern jenes benennen, das sich von den restlichen durch einen anderen Anlaut unterscheidet.

Schwierigkeiten in der phonologischen Wahrnehmung können die Entstehung einer Lese-Rechtschreibstörung/Legasthenie begünstigen. 

Eine logopädische Sprachstandsdiagnostik ermittelt u.a. die Fähigkeiten im Bereich der phonologischen Bewusstheit. Zeigen sich hier für den Schreib-/Leseprozess relevante Defizite, so sollten diese auch im Schulalter noch therapiert werden.


 

Umgang von Eltern/Pädagogen mit der LRS 

Ausführliche Informationen erhalten Sie auf der BALDT Homepage, sowie auf der Homepage der Barmherzigen Brüder Linz/ Institut für Sinnes- und Sprachneurologie - ISSN

Auf der Homepage der Landesschulrates für Oberösterreich/Schulpsychologie finden Sie Empfehlungen für  Pädagogen und Eltern im Umgang mit lese-rechtschreibschwachen Kindern.

Der "Legasthenie-Erlass"des LSR OÖ A3-23-1/2-2001 hat noch immer Gültigkeit und seine Anwendung ist vom Landesschulrat  ausdrücklich erwünscht!

"……die Rechtschreibleistung allein darf nicht das ausschlaggebende Kriterium für die negative Beurteilung schriftlicher Arbeiten sein."

Anzuwenden ist der Erlass auf alle Sprachfächer - den PädagogInnen wird dadurch maximale Entscheidungsfreiheit bei der Leistungsbeurteilung zugestanden. Als Beispiel sei hier der Artikel von Elfriede Schmidinger "Die Beurteilung der Leistungen legasthener Kinder" aus dem "Modell zur schulischen Förderung von Kindern mit Lese-Rechtschreibschwäche" des LSR für OÖ erwähnt.

Weitere Informationen finden sich in der  Handreichung 2016 des Bundesministeriums für Bildung  zum Thema "Schulischer Umgang mit der Lese-Rechtschreibschwäche" (Neuüberarbeitung aus 2001)

Eine Aufstellung hilfreicher Tipps für "LRS bei Fremdsprachen" finden Sie hier vom Salzburger Landesschulrat.

Ebenfalls sehr informativ ist die Homepage des deutschen "Bundesverbandes für Legasthenie und Dyskalkulie" -  u.a berichten dort  Betroffene über ihren Berufsweg mit LRS/Legasthenie. 


Kurz zusammengefasst:

  • Grundsätzlich ist jede Lehrkraft aufgrund ihrer/seiner Ausbildung befähigt Schwächen im Lesen und beim Erlernen der Rechtschreibung zu erkennen und entsprechende Fördermaßnahmen einzuleiten. 
  • Da die alleinige Problembearbeitung in der Schule jedoch in den meisten Fällen nicht ausreicht, ist es notwendig, bei Verdacht frühzeitig Hilfe bei kompetenten Anlaufstellen in Anspruch nehmen! Auch wenn ein Termin für eine klinisch-psychologische Diagnostik aufgrund langer Wartezeiten noch nicht erfolgt ist, kann zwischenzeitlich bereits mit einer Therapie/Förderung begonnen werden. Im Zusammenhang mit der logopädischen Diagnostik können auch standardisierte Lese-Rechtschreibtests zur Einschätzung der Problematik von mir durchgeführt werden.
  • Zur Diagnostik nach ICD-10 autorisiert sind grundsätzlich alle klinischen Psychologen/Psychiater in freier Praxis und an Institutionen, die sich mit der LRS/Legasthenie-Thematik befassen.
  • Eltern sollten ihrem Kind verdeutlichen, dass die Diagnose "LRS/Legasthenie"  keine "Befreiung von schulischen Pflichten" darstellt! Betroffene Schüler haben genau wie ihre Mitschüler Leistungen zu erbringen. Im Zuge des Nachteilsausgleichs können Leistungsumfang und Art der Überprüfung so angepasst werden, dass die Betroffenen ihre persönlichen Stärken gut nützen können.
  • Pädagogen können betroffene Kinder entlasten, indem sie das Gespräch mit ihnen suchen um herauszufinden, welche Problembereiche in der Therapie gerade bearbeitet werden und die Leistungsüberprüfung gegebenenfalls darauf abstimmen, die außerschulische Übungszeit wertschätzen, Leistungsdruck nehmen, individuell beurteilen! (s.o.) Sinken Druck und Frustration ist davon auszugehen, dass die Motivation "das Problem anzupacken" beim Kind/Jugendlichen ansteigt. Erste Erfolge und die anerkennende Haltung der Lehrkräfte vermitteln Zuversicht.
  • Der Erlass des Landesschulrats stellt für die Pädagogen eine Stärkung ihrer Kompetenz dar, sodass sie zum Wohle des Kindes dieses - von der Rechtschreibung abgesehen - bestmöglich beurteilen können.
  • Durch die Inanspruchnahme außerschulischer, individuell angepasster Therapiemaßnahmen können sehr gute Verbesserungen erzielt werden, die sich aber oft erst langsam etablieren. 

Die direkte Arbeit am Lesen/Schreiben und sprachlich-phonologischen Prozessen ist die einzige Maßnahme die wissenschaftlich nachweisbar hilft, dafür aber auch -  mit der nötigen Ausdauer und konsequentem Training - dauerhaft Verbesserungen bringt. 

Die Literatur (vgl. Suchodoletz, Landerl/Moll, Schulte-Körne, Dummer-Smoch u.a.) belegt, dass die Arbeit mit Methoden, die einzelne Teilleistungen bearbeiten nicht mehr zeitgemäß und deren Wirksamkeit auch wissenschaftlich nicht belegbar ist.